Baum, Hecke, Gartenhaus und Co. - Was gilt es im eigenen Garten zu beachten?

Es wird Frühling in Bayern und der ein oder andere Immobilieneigentümer wird sich wieder vermehrt um seinen Garten kümmern. Wie wäre es beispielsweise mit einer neuen Hecke als Sichtschutz? Oder einem neuen größeren Gartenhäuschen? Und überhaupt stört der überhängende Ast von Nachbars Baum. An dieser Stelle beginnen die Fragen? Welche Abstände sind zum Nachbarn einzuhalten? Darf ich den überhängenden Ast selbst absägen?

Die Abstandsflächen bei Hecken

Möchte ein Eigentümer auf seinem Grundstück eine Hecke pflanzen, gilt es bestimmte Abstände zum Nachbargrundstück einzuhalten. Das bayerische Ausführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch (AGBGB) schreibt vor, dass Hecken bis zu einer Größe von zwei Metern bis zu 0,5 Meter an das nachbarliche Grundstück gepflanzt werden dürfen. Ist die Hecke höher, verlängert sich dieser Abstand auf mindestens zwei Meter. Wird die 0,5 Meter entfernte Hecke nicht regelmäßig geschnitten und wächst über die 2 Meter hinaus, kann der Nachbar verlangen, dass die Hecke wieder unter zwei Meter geschnitten wird. Die genannten Maße gelten nicht nur für Hecken, sondern auch für andere Bepflanzungen, wie Bäume oder Sträucher. Aber Vorsicht: Nur weil Nachbars Baum über zwei Meter ist und zu nah an der Grundstücksgrenze steht, heißt es nicht, dass hier sofort eine Fällung verlangt werden kann. Bäume sind auf kommunaler Ebene durch Baumschutzverordnungen besonders geschützt. Bäume mit einem Stammumfang von in der Regel 80 Zentimetern auf einem Meter Höhe dürfen daher nur mit Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde (Landratsamt bzw. Kreisverwaltungsreferate) gefällt werden. Bei Zuwiderhandlungen drohen hohe Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. In manchen Fällen kann aber ein Rückschnitt erlaubt sein, solange der Baum dadurch keinen Schaden nimmt.

Der überhängende Ast

Viele Grundstückseigentümer kennen es: Der Ast von Nachbars Baum wächst über die Grundstücksgrenze. Hier gilt: Wenn der Ast die Nutzung des eigenen Grundstücks erschwert, kann der Eigentümer vom Nachbar die Entfernung verlangen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die geplante Kinderschaukel im Garten nicht aufgestellt werden kann, weil der Ast im Weg ist. Nur das Vorhandensein von Laub auf dem eigenen Grundstück, genügt allerdings nicht. Doch selbst wenn die Beeinträchtigung für ein Absägen des Astes ausreichen sollte, muss dem Nachbar zunächst eine Frist gesetzt werden, in der dieser den Ast entfernen kann. Erst wenn diese fruchtlos verstrichen ist, darf sich der gestörte Eigentümer selbst behelfen. Fallen Früchte von dem Ast auf das eigene Grundstück, so werden sie Eigentum desjenigen, auf dessen Grundstück sie fallen. Solange aber Äpfel, Birnen und Co. noch am überhängenden Ast hängen, gehören sie noch dem Eigentümer, auf dessen Grundstück der Baum gepflanzt ist und dürfen nicht einfach gepflückt werden.

Das neue Gartenhäuschen

Einfach einen Gartenhaus-Bausatz kaufen und im eigenen Garten aufbauen ist meist keine gute Idee. Denn auch für Gartenhäuschen kann eine Baugenehmigung erforderlich sein. In Bayern regelt dies die Bayerische Bauordnung (BayBO). Demnach sind beispielsweise Gebäude bis zu einem Bruttorauminhalt von 75 Kubikmetern verfahrensfrei. Ist ein Bebauungsplan vorhanden und entspricht das geplante Häuschen den Vorgaben des Planes, kann das Vorhaben auch genehmigungsfrei sein. Im Bebauungsplan sind dann auch eventuell zu beachtende Abstandsflächen verzeichnet. In allen anderen Fällen regelt wiederum die BayBO, wie nach das Gartenhaus an Nachbars Grundstück gebaut werden darf. Für Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten mit einer mittleren Wandhöhe bis zu drei Metern und einer Gesamtlänge je Grundstücksgrenze von neun Metern – zu nennen ist hier etwa das klassische Gartengerätehaus–, bedarf es keiner eigenen Abstandsflächen. Ist die Grundstücksgrenze länger als 42 Meter sind größere Anlagen ohne Abstandsflächen erlaubt. Bei Unsicherheiten hinsichtlich der Baugenehmigung oder der Abstandsflächen empfiehlt es sich, vor dem Kauf mit der zuständigen Baubehörde Kontakt aufzunehmen. Wird das Gartenhäuschen ohne nötige Genehmigung oder Abstandsflächen errichtet, muss das Häuschen wieder abgerissen werden.